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Früherkennungsmöglichkeiten

Vielfach liest man von Vorsorgeuntersuchungen. Der Begriff Vorsorge erweckt leicht den Eindruck, dass ein Krebs durch die Untersuchung verhindert werden kann. Keine Untersuchung kann das! Früherkennung ermöglicht eine bessere Behandlung oder führt zur bewussten Entscheidung, eine abwartende Beobachtung vorzuziehen.

Wie überall im Leben gibt es Vor- und Nachteile, die wir Ihnen darlegen möchten:

Vorteile der Früherkennung sind:

  • die Heilungschancen durch Früherkennung bei lokal begrenztem Prostatakrebs steigern die Möglichkeit der vollständigen Gesundung im Gegensatz zu fortgeschrittenen Krankheitsbildern
  • die zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten können deutlich besser auf die Individualsituation des Betroffenen abgestimmt werden
  • die zu ergreifenden Behandlungsmethoden können die Lebensqualität während der Behandlung steigern und insgesamt sterben weniger Betroffene

Nachteile der Früherkennung sind:

  • die Untersuchungen können durchaus falsche Ergebnisse liefern
  • die Untersuchung über PSA-Test "Prostata-spezifisches Antigen“ liefert häufig Verdachtsmomente, die sich im weiteren Verlauf als unbegründet herausstellen
  • die Verunsicherung zwischen Verdachtsmoment und einer Bestätigung oder Entwarnung belastet den betroffenen Mann sehr
  • die Bestätigung führt häufig zu Behandlungen und Operationen, die aufgrund des Alters der betroffenen Person als unnötig erscheinen müssen

Letztlich gibt es keine pauschale Richtlinie. Wie der Einzelne mit Untersuchungen zur Früherkennung umgeht, liegt ausschließlich in der persönlichen Bewertung.

Agieren statt reagieren

In so vielen Bereichen des Lebens sind wir selbstbestimmt und nehmen die Dinge aktiv in die Hand. Es wird Zeit, dies auch auf die eigene Gesundheit anzuwenden.

Ab 45 zur Untersuchung

Die Früherkennung von Prostatakrebs ist für Männer ab einem Alter von 45 Jahren im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen enthalten. Die jährlich angebotene Untersuchung umfasst

  • die Inspektion und das Abtasten des äußeren Genitals,
  • eine Tastuntersuchung der Prostata vom Enddarm aus (digital-rektale Untersuchung, (DRU)),
  • eine Tastuntersuchung der Lymphknoten in dieser Körperregion

Auffällig ist, dass die enorme Zunahme erkannter Erkrankungen an Prostatakrebs deutlich einhergeht mit dem Einsatz des PSA-Tests. Das Testergebnis sagt allerdings noch nichts darüber aus, wie lange ein Mann ohne diese Information beschwerdefrei gelebt hätte, oder ob er überhaupt erkrankt wäre. Es gibt Reihenuntersuchungen aus den 70er Jahren, die bei Verstorbenen durchgeführt wurden. Hierbei wurden bei etwa 30 von 100 Männern über 50 Jahren und bei etwa 70 von 100 Männern über 80 Jahren kleine Krebsknoten festgestellt. Wie erwähnt: Die Männer hatten nie etwas von ihrem Krebsleiden gewusst und sind an anderen Todesursachen gestorben.

Bitte beachten Sie auch, dass die steigende Lebenserwartung ebenfalls dazu führt, dass Prostataerkrankungen statistisch zunehmen müssen. Diese müssen nicht zwingend bösartig sein - es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, die zu einer Prostatavergrößerung führen, ohne dass es sich hierbei um einen bösartigen Tumor handelt. Aber auch bei einer bösartigen Erkrankung muss gut geprüft werden, ob und wenn ja welche weiteren Schritte sinnvoll sind. Mit zunehmenden Alter verlangsamt sich die Zellteilung. Im Falle einer Krebserkrankung ist dies von Vorteil, da der Krebs deutlich langsamer wächst.

Gleichzeitig führt das Bekanntwerden einer Krebserkrankung beim Betroffenen häufig dazu, alles Machbare zu versuchen um die Krankheit zu heilen, obwohl ein geführtes Zuwarten eine ernstzunehmende Alternative wäre. Je nach Ausprägung wird immer häufiger empfohlen, den Krebs regelmäßig zu beobachten und nur bei deutlichen Veränderungen aktiv zu werden. Im englischen Sprachraum eine als „watchful waiting“ anerkannte Behandlungsstrategie.

Hierbei muss jedoch berücksichtigt werden, dass diese Form der Behandlung sehr stark vom Alter des Betroffenen abhängt. Nach aktueller Erkenntnislage wird bei einer Lebenserwartung von über 15 Jahren davon abgeraten, sich ausschließlich dem "watchful waiting" anzuvertrauen. 

Weiterhin möchten wir nochmals deutlich machen, dass auch ein wenig bis schwach ausgeprägter und damit nicht zwingend behandlungsbedüftiger Prostatakrebs nicht auf ewig in diesem Stadium verharren muss. Eine engmaschige Kontrolle ist in jedem Fall angezeigt.

Halb so wild

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bilden Sie sich eine Meinung zu Ihrer persönlichen Vorsorge.