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Blue Ribbon Deutschland schafft Wissen

Unser Ziel ist es, Männer über Prostatakrebs aufzuklären und für das Thema zu sensibilisieren — wenn es um die eigene Gesundheit geht, wollen die meisten es nämlich nicht allzu genau wissen. Unsere Aufgabe ist es, Ängste abzubauen und über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zu informieren — damit mehr Männer Bescheid wissen und im Falle einer Erkrankung eine bewusste Entscheidung treffen können. Deswegen befragen wir Urologen zu ihren persönlichen Einschätzungen und Erlebnissen in ihrer Praxis rund um das Thema Prostatakrebs.

 

Darüber hinaus lassen wir auch betroffene Männer zu Wort kommen. Wir haben mit Männern gesprochen, die selbst mit der Diagnose Prostatakrebs konfrontiert waren, und Sie zu Ihren persönlichen Erfahrungen mit der Krankheit befragt. Es geht um Ängste, Folgen der Erkrankung - aber auch darum, was Ihnen in dieser Zeit besonders geholfen hat. 

Interviews mit Urologen

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Trotzdem nimmt nur ein vergleichsweise geringer Prozentsatz regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen wahr. Woran liegt das Ihrer Einschätzung nach?

Im Unterschied zu den Frauen, die sich bereits ab dem Teenageralter mit gynäkologischer Vorsorge befassen, gibt es nichts Vergleichbares für Männer.

 

Prostatakrebs ist eine Erkrankung, bei der für den Patienten generell verschiedene Behandlungswege möglich sind. Von der Operation bis hin zu engmaschiger Beobachtung bestehen oftmals unterschiedliche Optionen. Möchten Sie uns hierzu Ihre Meinung geben?

Meine Behandlungsoptionen sind Operation, Bestrahlung, Hormontherapie - wenn der Tumor hormonabhängig ist (was meistens der Fall ist) und active surveillance. Letzteres ist bei bei weniger bösartigen Tumoren möglich, dabei handelt es sich um eine engmaschige Kontrolle. Wenn es keine Probleme gibt erfolgt diese je nach Entwicklung über einen Zeitraum von 3-10 Jahren.

 

Haben Sie eine Behandlungspräferenz, oder entscheiden Sie von Fall zu Fall, wie Sie den Patienten therapieren?

Das entscheide ich individuell, dabei spielen auch Faktoren wie Alter, Sexualität eine Rolle. Der PSA Wert alleine ist nicht aussagekräftig. In Verbindung mit Ultraschall und Dokumentation des Verlaufs kann das Risiko berechnet werden.

 

Welche Rolle spielt das Umfeld (der/die Partner/in) im Bereich der Vorsorge bzw. richtiger gesagt bei der Früherkennung?

Wenn der Bereich Sexualität betroffen ist, kommen auch manchmal die Partnerinnen mit zur Sprechstunde. Wir haben Flyer zum Thema Vasektomie in gynäkologischen Praxen ausgelegt, so dass die Partnerinnen dort darauf aufmerksam gemacht werden.

 

Welche Rolle spielt das Umfeld (der/die Partner/in) im Falle einer Diagnose und weiteren Behandlung?

Ich habe selbst viel dazu geforscht, mit welchen Problemen der Patient in der Partnerschaft konfrontiert ist. Die psychische Belastung ist oft sehr hoch, vor allem bei den jüngeren Patienten. Da ist ein verständnisvolles Umfeld sehr hilfreich, hängt jedoch auch immer von der Persönlichkeit des Patienten ab, wie offen er damit umgeht.

 

Weisen Sie die Männer ab 45 Jahren aktiv darauf hin, dass eine Prostatakrebsvorsorge ab diesem Alter empfohlen wird?

Sogar schon ab Ende 30/Anfang 40.

 

Wir haben auch mit Herrn Dr. Gralla über seine Erfahrungen als Urologe gesprochen, von denen er in seinem Buch Mein bester Freund berichtet : https://www.blueribbon-deutschland.de/ueber-uns/news/detail/mir-ist-aufgefallen-dass-der-mann-sich-mit-sich-selbst-nicht-wirklich-auskennt.html 

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Trotzdem nimmt nur ein vergleichsweise geringer Prozentsatz regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen wahr. Woran liegt das Ihrer Einschätzung nach? 

Im Gegensatz zu Frauen, die schon in sehr jungen Jahren an einen regelmäßigen Besuch beim Gynäkolgen gewöhnt werden, ist dies beim Mann nicht der Fall. Hier muss sich der Mann ab 45 an etwas Neues gewöhnen. Das fällt mit fortgeschrittenem Alter schwer und der Besuch beim Urologen is mit vielen Ängsten und falschen Vorstellungen besetzt.

 

Prostatakrebs ist eine Erkrankung, bei der für den Patienten generell verschiedene Behandlungswege möglich sind. Von der Operation bis hin zu engmaschiger Beobachtung bestehen oftmals unterschiedliche Optionen. Möchten Sie uns hierzu Ihre Meinung geben? 

Je nach Tumorart (Gleason-Score, PSA-Wert), Alter und Gesundheitszustand können dem Patienten heute unterschiedliche Behandlungswege angeboten werden.

 

Haben Sie eine Behandlungspräferenz, oder entscheiden Sie von Fall zu Fall, wie Sie den Patienten therapieren?

Man entscheidet sich natürlich von Fall zu Fall entsprechend den zuvor genannten Parametern für die jeweilge Therapieform.

 

Welche Rolle spielt das Umfeld (der/die Partner/in) im Bereich der Vorsorge bzw. richtiger gesagt bei der Früherkennung?

Die Vorsorge spielt eine essentielle Rolle. Wir sind im Jahr 2020 in der Lage Prostatakarzinome schon in einem sehr frühen Stadium zu diagnostizieren. Dann stehen dem Patienten noch alle Möglichkeiten einer kurativen und funktionserhaltenden Therapie offen.

 

Welche Rolle spielt das Umfeld (der/die Partner/in) im Falle einer Diagnose und weiteren Behandlung?

Wie bei jeder Erkrankung ist es essentiell, wenn das Umfeld/der Partner der Patienten in die Therapieentscheidung und -planung mit einbezogen wird. Da bei Prostatakrebs und den Therapieformen auch immer die Frage nach der Sexualfunktion angesprochen werden muss, sollte hier immer das Gespräch mit dem Paar gesucht werden.

 

Weisen Sie die Männer ab 45 Jahren aktiv darauf hin, dass eine Prostatakrebsvorsorge ab diesem Alter empfohlen wird?

Definitiv, ja!!!

Interviews mit betroffenen Männern

Wie alt warst du als du von deiner Erkrankung erfahren hast?

Ich wurde gerade 65.

 

Was hat dir persönlich in der Zeit der Erkrankung geholfen? Was hat dir gut getan, was nicht?

Geholfen haben Gespräche mit bereits operierten Betroffenen, die Familie und Freunde. Ganz wichtig ist auch der behandelnde Urologe und der Arzt im Krankenhaus zu dem man ein positives Vertrauen haben muss. Gut getan hat ein Kurzrlaub um sich abzulenken und um auf andere Gedanken zu kommen. Man sollte nicht zu viel über die Krankheit nachdenken und es ist nicht das ENDE.

 

Wie hat sich dein Leben nach der Erkrankung gewandelt?

Man ist Krebspatient und muss die nächsten 5 Jahre regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen. Zusätzlich bekommt einen Schwerbehindertenausweis, damit muss man klar kommen. Grundsätzlich verändert sich das Sexualleben, da die Potenz nicht mehr wie vor der Operation gegeben ist, aber es gibt Mittel wie  Viagra, Pumpe etc. die helfen die Potenz (zum Teil) wieder herzustellen. Für die meisten ist nach der Operation die Kontinenz nicht mehr gegeben und man benötigt Vorlagen, aber die Kontinenz kommt mit einer guten Reha (Anschlussheilbehandlung) und Übungen wieder.

 

Was würdest du jemandem sagen, der gerade die Diagnose Prostatakrebs erhalten hat?

  • Rede offen über die Krankheit und denke daran das die Heilungschance sehr hoch ist.
  • Wenn man sich zu einer radikalen Prostataektomie entschieden hat, dann sollte man sich über die Art der OP, mit    Bauchschnitt oder roboterassisitiert (Ich habe mit roboterassistiert sehr gute Erfahrung gemacht) Gedanken machen und ein Krankenhaus aussuchen wo diese Methode sehr häufig durchgeführt wird.
  • Nach dem Krankenhausaufenthalt unbedingt die stationäre Reha (Anschlussheilbehandlung) wahrnehmen, da auch die  Gespräche mit anderen Betroffenen sehr hilfreich sind.

 

Wie hast du dein Umfeld während der Erkrankung wahrgenommen? Was kann das persönliche Umfeld tun, um den Betroffenen zu unterstützen?

Alle sind zuerst bestürzt und für die Familie ist der Befund vielleicht schlimmer als für einen selbst, aber alle unterstützen einen. Es war für mich sehr wichtig, „normal“ weiter zu leben und nicht bemitleidet zu werden.

Wie alt warst du als du von deiner Erkrankung erfahren hast?

Im Jahre 2010 habe ich von meiner Erkrankung erfahren. Damals war ich 69 Jahre alt.

 

Was hat dir persönlich in der Zeit der Erkrankung geholfen? Was hat dir  gut getan, was nicht?

Mir haben tröstende Worte meiner Familie gut getan. Ich habe mir gedacht, dass schon alles gut werden wird. Ich wollte nicht an den Tod denken.

 

Wie hat sich dein Leben nach der Erkrankung gewandelt?

Nach meiner Erkrankung habe ich intensiver am Leben teil genommen.

 

Was würdest du jemandem sagen, der gerade die Diagnose Prostatakrebs erhalten hat?

Ich habe auch Prostatakrebs gehabt und mir geht es jetzt wieder gut!

 

Wie hast du dein Umfeld während der Erkrankung wahrgenommen? Was kann das persönliche Umfeld tun, um den Betroffenen zu unterstützen?

Ich war erst nicht fähig zu denken. Meine Frau sagt, dass man immer trösten kann, aber es nicht immer bei dem Betroffenen ankommt.