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Aktuelle Informationen Prostatakrebs

Durch Früherkennung kann der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden. Gleichzeitig ermöglicht Früherkennung entsprechend der individuellen Lebensituation die nächsten Schritte gut abwägen zu können.

Die primären Ziele der Früherkennung sind:

  • erfolgreich behandeln
  • bestmögliche Lebensqualität sichern
  • die Sterblichkeitsrate senken

Diagnose Prostatakrebs

Grundsätzlich gilt: Früherkennung hilft dabei, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und die eigene Entscheidungsgrundlage zu festigen. 

Die bestätigte Diagnose Prostatakrebs bedeutet einen massiven Eingriff in eine bis dahin wie selbstverständlich funktionierende Lebenssituation. Das betrifft nicht ausschließlich den Betroffenen selbst, sondern in erheblichem Maße auch die Familie, Bekannte, Freunde und Arbeitskollegen.

Wissen hilft

Unter den Überschriften des Aufklappmenüs unten finden Sie viele wichtige Informationen. Falls Sie etwas vermissen, schreiben Sie uns bitte und geben uns so gerne Bescheid.

Die nachfolgenden Themen in der Übersicht:

  • Prostatakrebs ist weltweit die zweithäufigste Krebserkrankung bei Männern.
  • Weltweit werden jährlich mehr als eine 1,1 Mio. neue Prostatakrebs Erkrankungen diagnostiziert. In gut entwickelten Ländern ist die Erkrankungsrate höher. Das liegt zum Teil daran, dass die Untersuchungsmethoden zur Früherkennung hier besser sind. Im Gegensatz dazu ist die Todesfallrate in schwach entwickelten Ländern deutlich höher.
  • In Deutschland ist Prostatakrebs die häufigste Krebsart bei Männern.
  • Etwa 60.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland (RKI 2015)
  • Jeder 8. Mann erhält im Laufe seines Lebens die Diagnose Prostatakrebs.
  • 13.408 Todesfälle pro Jahr in Deutschland (RKI 2015)
  • Doch was viele nicht wissen: Die relative Überlebensrate liegt bei über 91% (bezogen auf 10 Jahre).
  • Das mittlere Alter für die Diagnose Prostatakrebs liegt bei einem Lebensalter von 70 Jahren. Vor dem vierzigsten Lebensjahr tritt Prostatakrebs derzeit so gut wie gar nicht auf, selbst vor dem fünfzigsten Lebensjahr ist die Krankheit sehr selten.
  • Derzeit befinden sich ca. 610.000 Männer in Deutschland, die innerhalb der letzten 10 Jahre die Diagnose Prostatakrebs erhalten haben, in ärztlicher Behandlung.
  • 5 von 6 Männer mit der Diagnose Prostatakrebs sterben nicht an dieser Krankheit, sondern an anderen Ursachen.

Prostatauntersuchungen können nur schwerlich selbst durchgeführt werden. Daher ist der Mann auf ein gutes, eigenes Körpergefühl angewiesen - und auf regelmäßige Untersuchungen durch einen Arzt. Grundsätzlich gilt bei jeder Krankheit: Je besser man seinen Körper kennt und wahrnimmt, desto höher die Chance Veränderungen frühzeitig zu bemerken.

Prostatakrebs verusacht im Anfangsstadium keine Beschwerden, erst wenn die Geschwulst eine kritische Größe überschritten hat oder bereits Metastasen in Lymphknoten oder Knochen gestreut hat.

Im fortgeschrittenen Stadium kann sich Prostatakrebs durch folgende Symptome bemerkbar machen:

  • Schmerzen in der Prostata
  • Probleme der Blasen- oder Darmentleerung
  • Blut im Urin
  • „Ischias“-Schmerzen, hervorgerufen durch Knochenmetastasen

Die Untersuchung bei einem Facharzt kann einen der folgenden Ansätze verfolgen oder - je nach Umständen - eine Kombination aus mehreren Methoden sein. Es gibt keine Untersuchungsmethode, die für sich allein stehend ein sicheres Ergebnis liefert.

Untersuchungen

  • ärztliche Tastuntersuchung | inkl. Digitale Rektale Untersuchung (DRU)
    Mit der Tastuntersuchung können nur Tumore erkannt werden, die eine gewisse Größe haben sowie sich auf der Oberfläche der Prostata befinden und auf der dem Darm zugewandten Seite liegen. Sie bietet somit eine erste Orientierung und sagt nichts darüber aus, ob der Tumor bösartig ist - denn bspw. kommt eine vergrößerte Prostata mit zunehmendem Alter häufiger vor.
  • PSA-Test | ein Bluttest, dessen erhöhter Wert auf Prostatakrebs hindeuten kann
  • transrektale Ultraschalluntersuchung der Prostata (TRUSP) | durch den Darm
  • sonstige bildgebende Untersuchungsmethoden: Ultraschall, Computertomographie (CT), Positronenemissionstomografie (PET) oder Magnetresonanztomographie (MRT) spielen eine untergeordnete Rolle und können eher zur Festigung oder Entkräftung einer bestehende Diagnose genutzt werden

Behandlungen

  • Radikale Prostatektomie-RP | Prostataentfernung
  • Intensitätsmodulierte Strahlen­therapie (IMRT) | von außen durch die Haut
  • Brachy-Therapie | die Strahlungsquelle wird direkt in der Prostata platziert
  • Active Surveillance-AS | aktive Überwachung ohne direkte Behandlung *
  • Ultraschall (HIFU) | hochintensive Schallwellen 

Nach wie vor gilt, dass jede der beschriebenen Maßnahmen für sich alleine keine hundertprozentige Sicherheit geben kann. Über die Tastuntersuchung werden aktuell ca. 30 bis 35% aller Erkrankungen gefunden. Der zu tastende Tumor ist jedoch schon relativ groß und eine Behandlung in diesem Stadium, vor allem bei Streuung des Tumors, nicht mehr einfach.

Vor dem PSA-Test sollten Sie nicht: Reiten, Radfahren, Leistungssport betreiben, blutverdünnende Medikamente einnehmen, sexuell aktiv sein. Diese Aktivitäten können den PSA-Wert erhöhen und somit einen unbegründeten Verdacht liefern. Weisen Sie Ihren Arzt in jedem Fall immer auf außergewöhnliche, körperliche Aktivitäten hin. Bei erhöhtem PSA-Wert sollte in zeitlichem Abstand ein zweiter, ggf. auch mehrere Tests durchgeführt werden.

Mit keiner Untersuchungsmethode kann erkannt werden, ob eine Veränderung letztlich gut- oder bösartig ist. Hierzu bedarf es immer einer Gewebeentnahme (Biopsie). Eine Biopsie sollte erst dann durchgeführt werden, wenn eine Tumorwahrscheinlichkeit durch verschiedene Untersuchungen bestätigt wurde.

Bei bestätigtem, lokal begrenztem Prostatakrebs kann Früherkennung Leben retten!

Informieren Sie sich intensiv über die Vor- und Nachteile der oben beschriebenen Untersuchungs- und vor allem Behandlungsmethoden, um persönlich abwägen zu können, ob mögliche Belastungen im Verhältnis zum individuellen Nutzen stehen.

* Die Active Surveillance-AS, also die aktive Überwachung, ist keine Behandlungsmethode, sondern als Behandlungsstrategie zu verstehen.

Wenn mehrere Männer in der Familie Prostatakrebs hatten und die Erkrankung zusätzlich in einem jungen Alter aufgetreten ist, sollten die bisherigen Möglichkeiten zur Früherkennung intensiv genutzt werden.

Die Ursachen von Prostatakrebs sind bisher noch weitgehend unbekannt. Man kennt jedoch bestimmte Faktoren, die das Risiko einer Prostatakrebs Erkrankung erhöhen. Als wichtige Faktoren gelten Alter und die familiäre Veranlagung.

Weiterführende Informationen zu diesem Spezialthema finden Sie über unsere Linkliste bei:

Lassen Sie sich in jedem Fall etwas Zeit. In den allermeisten Fällen besteht bei Prostatakrebs keine Veranlassung akut zu handeln. Sprechen Sie mit Angehörigen und vertrauten Menschen Ihres sozialen Umfelds. Informieren Sie sich bei Ärzten und Selbsthilfegruppen über die Erkrankung und deren Behandlungsmethoden. Nutzen Sie hierzu auch unsere Linkliste.

> Holen Sie in jedem Fall eine zweite ärztliche Meinung ein.

Das gilt gleichermaßen für Betroffene wie auch für deren Angehörige. Denken Sie daran: Sie dürfen immer eine Person Ihres Vertrauens zu Gesprächen mitnehmen. Nutzen Sie diese Chance, wenn Sie sich selbst zu unsicher oder zu schwach fühlen. Dies können Familienangehörige sein, aber auch Freunde.

Wichtig: erst informieren, dann entscheiden! Und bitte - lassen Sie sich in keinem Fall zu einer übereilten Entscheidung drängen. Sie sind derjenige, der in Zukunft mit den Ergebnissen einer möglichen Behandlung weiterleben muss. Und damit es kein "muss" wird, sondern ein "darf" werden kann, nehmen Sie sich die nötige Zeit.

Die Diagnose steht fest und nun liegen viele wichtige Entscheidungen vor Ihnen. Prostatakrebs ist jedoch meistens kein medizinischer Notfall. Nehmen Sie sich also die Zeit und informieren Sie sich über die unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten. Ihr Arzt wird Sie bei den folgenden Schritten begleiten. Erwägen Sie die weitere Behandlung in einem Prostatazentrum. In unserer Linkliste finden Sie hierzu eine Webseite zur deutschlandweiten Suche.

Der Krebs des einen Menschens ist in den wenigsten Fällen mit dem Krebs eines anderen vergleichbar. Betrachten Sie deshalb Vergleiche in Gespräche immer mit dem nötigen Abstand. So unterschiedlich wie der Krebs, so unterschiedlich sind auch die Menschen, die davon betroffen sind. Jeder Körper reagiert anders - und was dem einen Mann schwer zusetzt ist für den anderen ggf. kaum wahrnehmbar.

Eine Behandlung durch Operation und / oder ggf. unterstützender Bestrahlung oder Chemo führt bei Prostatakrebs leider häufig zu teils langanhaltenden Begleiterscheinungen. In den meisten Fällen sind nachfolgende Nebenwirkungen zeitlich begrenzt. Doch wir wollen an dieser Stelle deutlich machen, dass eine Wiederherstellung der vollständigen Funktionen nicht immer gewährleistet werden kann. Führen Sie hierzu ausführliche Gespräche mit Ihrem Arzt, um die Risiken auf Ihr Krankheitsbild bezogen bestmöglich eingrenzen zu können. Hintergrund speziell dieser Funktionsstörungen ist, dass die Prostata auf der einen Seite schwer zugänglich ist und auf der anderen Seite viele Nervenbahnen in direktem Einfluss der Prostata liegen.

Zu den häufig auftretenden Nebenwirkungen zählen:

  • Harninkontinenz - meist vorübergehend, in nicht wenigen Fällen jedoch auch das weitere Leben begleitend (nach Operation und / oder Bestrahlung, Chemo, aber auch ausschließlich bei Bestrahlung)
  • Erektionsschwäche oder Verlust - ausgelöst durch Operation oder Bestrahlung des nahe an der Prostata liegenden neurovaskulären Nervenbündel. Wird dieses vollständig geschädigt, ist eine Erektion auch durch Unterstützung bspw. mittels Viagra nicht mehr möglich
  • Hitzewallungen - überwiegend bei Hormonbehandlungen und Chemo
  • Blasenschwäche - diese ist nicht zwingend auf die Prostataerkrankung zurückzuführen, tritt dadurch jedoch evtl. deutlicher hervor. Es gibt spezielle Trainingsmöglichkeiten, die durch einen behandelnden Arzt schon im Vorfeld erklärt werden können. Es macht durchaus Sinn, dieses Training deutlich vor einer OP oder Bestrahlung anzuwenden. Grundsätzlich macht es sogar Sinn, dieses ohne Verdachtsmoment regelmäßig zu tun.
  • Stuhlinkontinenz - vor allem bei Dammschnitt-OP, d.h. die Operation wird durch den Darm durchgeführt

Eine bleibende Inkontinenz und damit verbunden der unfreiwillige Harnabgang findet sich häufig bei fordernden Situationen: z. B. Husten, Pressen oder schweres Heben, sowie allgemein bei körperlicher Anstrengung. Diese Situationen sind im täglichen Leben durchaus in den Griff zu bekommen und es gibt sowohl im Sanitätsfachhandel wie auch im Einzelhandel eine gute Auswahl an hilfreichen Produkten.

Direkte Hilfe bietet der Krebsinformationsdienst, die Deutsche Krebshilfe e. V. und die regionalen Prostatazentren in Ihrer Nähe. Sehen Sie hierzu auch in unserer Linkliste nach oder fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach den regionalen Adressen.

Prüfen Sie ob eventuell aktuelle Studien und eine Teilnahme an diesen für Sie in Betracht kommen. Sehen Sie hierzu in unserer Linkliste und sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt darüber.

Bitte bedenken Sie: Ihre Familie und engen Freunde wollen Ihnen zur Seite stehen. Gerade dieser Personenkreis erwartet am wenigsten, dass Sie alles alleine stemmen. Und für Ihre Entscheidungen können Blicke von außen sehr hilfreich sein.

Was man noch wissen sollte:

Die Prostatazentren (siehe Linkliste) zeichnen sich durch einen hohen Qualitätsstandard aus. Sie bieten optimale Versorgung von der Diagnostik bis zur Nachsorge. Die Heilungsprognose bei Prostatakrebs ist durch Früherkennung und die verfügbaren Therapien sehr gut.

Es gibt zahlreiche Studien, die sich mit Behandlungsmethoden und neuen Arzneimitteln beschäftigen, die aber noch nicht öffentlich zugänglich sind. Ziel ist hierbei, die Behandlung von Krankheiten immer auf dem bestmöglichen und neuesten Stand zu halten. Es gibt grundsätzlich zwei Studienrichtungen:
Interventionelle Studien (auch klinische Studien) und nicht-interventionelle Studien (NIS).
Bei den interventionellen Studien werden ausgewählten Patienten Arzneimittel in einer genau bestimmten Dosierung oder Kombination zur Verfügung gestellt. Diese neue Art der Behandlung wird dann mit bestehenden Behandlungen abgeglichen. Hierbei wird ein exakt festgelegter Prüfplan abgearbeitet. Der Vorteil für Patienten liegt in einer engmaschigen und sehr umfangreichen Untersuchung und Betreuung. Gleichzeitig erhalten die Patienten Zugang zu Therapien, die dem allerneuesten Stand entsprechen.
Bei nicht-interventionellen Studien kommen Medikamente zum Einsatz, die bereits erprobt und auf dem Markt verfügbar sind. Bei diesen Studien sollen Ergebnisse schon abgeschlossener klinischer Studien bestätigt werden. Somit soll diese neue Therapierichtung dann in alle Behandlungen einfließen.

Gerade auch für Prostatakrebspatienten besteht die Möglichkeit an Studien teilzunehmen. Ob und welche Studien angeboten werden, können Sie in unserer Linkliste erfahren, zum Beispiel bei: www.viomedo.de

Und natürlich ist hierfür der behandelnde Arzt der erste Ansprechpartner für Sie. Denn nur er kann prüfen, ob die Art des Tumors, das Lebensalter und sonstige bekannte Erkrankungen zu den innerhalb der Studie benötigten Werten passen. Fragen Sie Ihren Arzt oder den angegebenen Studienarzt, ob in Ihrem speziellen Fall eine Teilnahme an einer anstehenden oder laufenden Studie möglich ist. Von Ihrem Arzt werden Sie auch umfassend aufgeklärt. Sollten alle Anforderungen erfüllt sein, entscheidet natürlich immer der Patient, ob er an der angebotenen Studie tatsächlich teilnehmen will.

Das Leitlinienprogramm der Deutschen Krebsgesellschaft legt ausdrücklich fest, dass Patienten, die nicht an einer Studie teilnehmen, qualitativ ebenso gut behandelt werden wie Studienteilnehmer.

Prostatakrebs ist zwar die häufigste Krebserkrankung bei Männern, aber nicht die häufigste Todesursache. Diese liegt eindeutig bei Herz-Kreislauferkrankungen mit Todesfolge.

Noch nie war die Lebenserwartung bei Männern so hoch wie heute. Aktuell liegt diese bei durchschnittlich 79 Jahren. Im Vergleich: Noch in den 80er Jahren lag diese bei 69 Jahren.

Die Rechte sind vom Bundesministerium für Gesundheit im „Leitfaden Patientenrecht in Deutschland“ zusammengefasst. Diesen finden Sie im Internet unter www.bmj.de

Einige erste wichtige Angaben: Sie haben das Recht auf Information, Schutz der Privatsphäre, freie Arztwahl und Selbstbestimmung. Darüber hinaus jederzeit auf vollumfängliche Einsichtnahme in Ihre Unterlagen, auf eine Zweitmeinung und auf eine lückenlose Versorgung. Niemand kann Ihnen diese Rechte verwehren.