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Prostatakrebs von ExpertInnen beleuchtet

Wir haben verschiedene ExpertInnen zu ihren Erfahrungen mit Prostatakrebs befragt. Ob Patienten, Angehörige oder ÄrztInnen. Alle sind auf eigene Weise Experte oder Expertin auf dem Gebiet Prostatakrebs. Die Interviews sind so unterschiedlich, wie sie nur sein können und fesseln mit ihren Details und Berichten. Sortiert nach Themenschwerpunkten finden Sie hier die Antworten auf viele Fragen; manchmal fachlich, vielmals ganz privat beantwortet. Sollten weitere Fragen aufkommen, geben wir diese gerne an unsere ExpertInnen weiter. Bitte beachten Sie, dass es sich hier insbesondere um persönliche Erfahrungen und Meinungen handelt und jede einzelne Prostatakrebserkrankung sehr individuell ist. Trotzdem hoffen wir, ein wenig mehr Sicherheit und Verständnis für die Erkrankung zur Verfügung stellen zu können.

Wichtig! Dieser Bereich ersetzt nicht das Fachgespräch in der ärztlichen Praxis.

DIESE SEITE BEFINDET SICH IM AUFBAU.

Zur "Vorsorge" gehen. Was spricht dafür, was dagegen?

Blue Ribbon: Was sind aus Ihrer Sicht gute Gründe für die Früherkennungs-Untersuchung?
Dr. Witt: Die Früherkennungsuntersuchung macht aus meiner Sicht Sinn, zumindest in der Altersgruppe zwischen 45 und 75 Jahren auf jeden Fall. Die früh erkannte Prostatakarzinom-Erkrankung beinhaltet die beste Aussicht auf Heilung. Bei einer spät diagnostizierten Situation ist eine Heilung gegebenenfalls nicht mehr möglich. Die Früherkennung führt also zu einer höheren Wahrscheinlichkeit einer Heilung.

Blue Ribbon: Gibt es auch Gründe aus Ihrer Sicht, die gegen eine solche Untersuchung sprechen?
Dr. Witt: Die Früherkennungs-Untersuchung gibt Hinweise auf eine Erkrankung, jedoch aber keine Beweise. Wenn Auffälligkeiten festgestellt werden, müssen weitere Untersuchungen folgen. Wenn jemand eine weitere Abklärung nicht durchführen lassen möchte, dann macht eine primäre Früherkennungsuntersuchung natürlich keinen Sinn.

Blue Ribbon: Wie läuft die Vorsorge ab?
Dr. Witt: Hier muss man das Vorgehen in Deutschland und International unterscheiden. In Deutschland wird nur die Digital-Rektale Untersuchung, also die Tastuntersuchung vom Enddarm, von den gesetzlichen Versicherungen bezahlt. Dies ist eine sehr unvollständige Maßnahme. Durch die Tastuntersuchung ist nur ein kleinerer Teil, nämlich der Teil der Prostata der zum Rektum, also zum Enddarm gelegen ist, erreichbar. Der Rest der Prostata bleibt dieser Form der Untersuchung verborgen. Hinzu kommt das der tastbare Knoten häufig bereits eine schon eher fortgeschrittene Tumorsituation abbildet. Die Tastuntersuchung ist also als alleinige Maßnahme unvollständig und soll durch die Bestimmung des PSA-Wertes und durch Wertung der Veränderung des PSA-Wertes über die Zeit ergänzt werden. Die Kosten von 20-30 Euro für diese Blutbestimmung müssen in Deutschland unverändert von den Patienten selber getragen werden. Anders verhält es sich bei Privat-Patienten, hier werden die Kosten für den PSA-Wert von den Versicherungen getragen.
Mit Kenntnis dieser Information kann dann eine sinnvolle Patientenberatung über weitere Maßnahmen, wie eine Bildgebung mittels Kernspintomografie oder eine Prostatabiopsie, also eine Gewebeentnahme aus der Prostata, erfolgen.
In anderen Ländern ist die Situation anders. Nachdem international ein Screening, also eine Reihenuntersuchung von Patienten mit einer PSA-Wert-Bestimmung bis vor einigen Jahren kritisch gesehen worden ist, hat sich das in den letzten Jahren deutlich geändert. Durch Auswertung von Langzeitstudien und auch unter der Kenntnis das bei fehlenden regelmäßigen PSA-Kontrollen die Anzahl von fortgeschrittenen Prostatakarzinom-Erkrankungen steigt, wird inzwischen vielfach ein PSA-Screening empfohlen.
Auch in Deutschland hat der Vorschlag dem gemeinsamen Bundesausschuss, der darüber entscheidet, welche Leistungen gesetzlich Krankenversicherte konkret bekommen, vorgelegen. Zum Erstaunen der Fachwelt wurde dieser Vorschlag jedoch kürzlich nochmals abgelehnt.

Zum ungekürzten Interview mit Dr. Witt geht es hier.

Blue Ribbon: Was sind gute Gründe, die Früherkennungsuntersuchung bei Prostatakrebs wahrzunehmen?
Jens: Ich gehe davon aus, dass den Männern ihre Sexualität, ihre Männlichkeit wichtig ist. Das hört man ja auch, wenn sich Männer miteinander unterhalten. Wenn man das nicht verlieren möchte, dann sollte man dringend zur Vorsorge gehen. Vielen Männern ist einfach nicht klar, dass es nicht nur um die Prostata geht, sondern es hängt ein Riesen Rattenschwanz dran. Wenn ich höre: „Wenn ich Krebs bekomme, dann habe ich halt Krebs, falle um und bin tot.“ Wenn es so einfach wäre, .… Aber es ist nicht so einfach. Man wird krank und man schleppt sich durch bis man irgendwann jämmerlich krepiert. Das ist leider die reine Wahrheit. Und wer darauf keinen Bock hat, sollte dringen zum Arzt gehen. Denn keine Untersuchung der Welt ist so schlimm, wie das, was man letzten Endes als Erkrankter durchmachen muss.

Blue Ribbon: Wie bewegt man denn die Männer zur Früherkennungsuntersuchung?
Jens: Es wirkt sehr herablassend aber bei älteren Männern ist es so, dass sich viele damit abfinden. „Ach ja, ich hab noch zwei Jahre, das reicht mir vollkommen.” So und ähnlich habe ich es öfter im Wartezimmer gehört. Die ältere Generation, nimmt das Sterben nicht so tragisch, weil sie sagen ich bin doch alt. Ich denke, man kann einen Mann nur zu etwas bewegen, wenn er Angst hat. Angst vor der Realität! Wenn jüngere Männer hören, es geht an ihre Männlichkeit. Ich spreche nicht nur von Potenz. Aber die Hormone- Wenn du dich als Mann nicht mehr als Mann fühlst, weil die Hormone fehlen. Das kann man nicht in Worte fassen und ist unglaublich. Das müssen die Männer verstehen. Sie verlieren ihre Männlichkeit, ihre Identität als Mann. Das muss nicht sein. Gehen sie zur Vorsorge und man stellt den Krebs fest, kann man helfen. Zumindest, wenn es noch nicht gestreut hat, wie bei mir. Wenn der Krebs zeitig genug entdeckt ist, kann man Gegenmaßnahmen finden, die auch scheiße sind, ja, aber man(n) hat eine Chance auf Heilung bzw. auf ein langes Leben. Wer nicht zur Vorsorge geht, wie ich, der muss damit klarkommen, dass die Zeit begrenzt ist und man kein gutes Leben mehr haben wird. Mann verliert die gesamte Männlichkeit. Die Welt bricht zusammen. Es bleibt einem nichts mehr. Das müssen die Männer verstehen.

Ich habe 30 Jahre auf der Bühne gestanden. Ich musste stark sein und war es auch. Ich hatte mit vielen Menschen zu tun. Es gab ab und an Probleme geschäftlicher, künstlerischer, organisatorischer Natur. Ich war es gewöhnt, vieles wegzustecken, vieles zu regeln und mit Problemen klarzukommen. Doch das, was mich nun heimgesucht hat, damit komme ich nicht klar!!!
Jetzt: Es passiert eine Winzigkeit und ich breche komplett in Tränen aus.
Ich sitze auf der Terrasse meines Stammlokals und fange einfach an zu heulen. Rundum alles voll und ich sitze am Tisch und heule Rotz und Wasser. Es ist erniedrigend und man fühlt sich bloßgestellt. Ich kann es nicht erklären. Die ganze Gefühlswelt ist komplett hinüber. Ich bin hochgradig depressiv geworden, weil einfach all mein Leben, alles was mich ausmachte, alles weg ist. Das ist einfach zu viel für mich. Ich als Betroffener, find’ für der Kampagne wichtig, dass die Männer verstehen:
Geht verdammt nochmal zu dieser Vorsorgeuntersuchung, damit ihr das nicht durchmachen müsst, dass ihr normal und glücklich Leben könnt!

Zum ungekürzten Interview mit Jens Müller geht es hier.

Blue Ribbon: Warum ist es gut zur Früherkennung zu gehen oder gibt es auch Gründe nicht zu gehen? Und seit wann gehst du?
Alex: Tatsächlich war ich in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder zum Urologen gegangen. Und vor etwa anderthalb Jahren sagte mein Urologe. Die von der Krankenkasse übernommene Untersuchung ist gut und schön. Aber ich würde Ihnen auch ans Herz legen, über die Krankenkassen Leistungen hinausgehende Untersuchungen zu machen. Das nennt sich Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) und da gibt es eine ganze Reihe von Maßnahmen, die man auf eigene Rechnung wahrnehmen kann. Unter anderem auch die Bestimmung des PSA Wertes. Heute weiß ich, PSA Wert bestimmen ist in den Medien ein bisschen umstritten. Es gibt Stimmen, die sagen: „Es führt zur Überdiagnose.“ Oder „Viele falsch-positive Werte beunruhigen die Leute unnötigerweise.“Ich habe mich dafür entschieden den PSA Wert bestimmen zu lassen. Und mir hat es praktisch das Leben gerettet. Mein Krebs wurde festgestellt durch die Bestimmung des PSA Wertes, die ein Kinderspiel ist. Da werden ein paar Milliliter Blut abgenommen. Im Labor wurde dann festgestellt, dass der Wert erhöht war und das war der Indikator dafür, nach einer Zeit nochmal hinzuschauen und zu sagen: stimmt das? Ist er immer noch erhöht und dann weitere Diagnostik zu machen.

Blue Ribbon: Und die Tastuntersuchung hatte keine Auffälligkeiten ergeben?
Alex: Doch, hat sie. Die habe ich dann mit der Bestimmung des PSA Wertes auch wieder machen lassen. Es wurde festgestellt, dass die Prostata nicht vergrößert ist, was in meinem Alter häufiger schon der Fall ist. Aber sie war ein bisschen verhärtet. Das wäre für sich alleine noch keine Indikation gewesen. Aber in Verbindung mit dem PSA Wert, hat das meinen Urologen dazu gebracht, zu sagen: „Dann machen wir nicht, wie ich sonst vorschlagen würde, nach drei bis vier Monaten eine weitere Bestimmung, sondern in kurzen Zeitfenstern eine weitere Bestimmung, denn da könnte was sein.“

Zum ungekürzten Interview mit Alexander Bauz geht es hier.

Die Tastuntersuchung / Digital rektale Untersuchung (DRU)

Blue Ribbon: Angstthema Rektale-Digitale Tastuntersuchung. Wie sieht die Untersuchung aus und wie lange dauert sie?
Dr. Witt: Typischerweise ist das eine Untersuchung mit wenig Zeitbedarf, circa im Bereich einer Minute. Für die meisten Patienten ist das unangenehm, aber nicht mehr. Wenige Patienten haben einen hohen Tonus im Schließmuskelbereich, bei denen wird das dann als unangenehmer empfunden. Dies sind aber wenige Patienten, circa im Bereich von 1%.

Blue Ribbon: Und Sie führen diese Untersuchung auch standardmäßig durch?
Dr. Witt: Ja.

Zum ungekürzten Interview mit Dr. Witt geht es hier.

Blue Ribbon: Wie läuft die Früherkennungsuntersuchung ab?

Jens: Ich hatte ja keine Frühuntersuchung. Ich kenne das Ganze ja nur von dem Moment, wo man mir die Diagnose (meines sehr fortgeschrittenen Krebses) in der Notaufnahme gestellt hat.
Es gibt zum einen die Tastuntersuchung. Das ist wohl auch genau das, was die Männer abschreckt.
Mich hat es auch mörderisch abgeschreckt und ich habe gesagt: „Das passiert bei mir garantiert nicht!“ Bis ich dann eben (mit schrecklichen Schmerzen) im Krankenhaus lag und drei verschiedene Ärzte kamen und jeder mir seinen „Arm in den Hintern“ schob. Das war erst der Anfang. Das war auch der Moment, wo ich mir dachte: wäre ich zu einer Früherkennung gegangen. Dann wäre es nur einer gewesen.

Aber es gibt ja auch die Bestimmung des PSA Wertes. Das ist das, was ich eigentlich allen Männern empfehle. Sie brauchen keine Angst haben. Sie bekommen ein bisschen Blut abgenommen und dann hat man schonmal ein Ergebnis. So simpel, dass kann wirklich jeder machen lassen. Das bezahlen die meisten Kassen wohl nicht. Das Geld kann man aber auch aus eigener Tasche bezahlen. Denn letzten Endes geht es ums eigene Leben. Wenn man sagt: ‚ich möchte nicht, dass der Arzt mir den Finger in den Hintern schiebt.‘, dann sagt man „Ich möchte eine Untersuchung meines PSA Wertes.“

Zum ungekürzten Interview mit Jens Müller geht es hier.

Blue Ribbon: Bei der Tastuntersuchung. Kannst du beschreiben, wie die von statten geht?
Alex: Das ist im Sprechzimmer des Urologen. Da legst du dich auf eine Liege in seitlicher Haltung, sodass er Zugang zum After hat und dann macht er mit dem Finger eine Tastuntersuchung der Prostata. Er muss mit dem Finger in den After rein. Muss man sich natürlich bei entspannen, sodass der Schließmuskel nicht zu macht. Und …ja… was ist das für ein Gefühl. Es ist so ein bisschen wie Harndrang, wenn er dann die Prostata abtastet, als ein bisschen wie der Drang, Wasser zu lassen. Aber das ist eine Sache von 30 Sekunden vielleicht. Jetzt nicht gerade schön, aber hat überhaupt nichts mit Schmerzen oder sonst irgendwas zu tun. Es ist letztlich eine Kleinigkeit.

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Blue Ribbon: Und die Tastuntersuchung hatte keine Auffälligkeiten ergeben?
Alex: Doch, hat sie. Die habe ich dann mit der Bestimmung des PSA Wertes auch wieder machen lassen. Es wurde festgestellt, dass die Prostata nicht vergrößert ist, was in meinem Alter häufiger schon der Fall ist. Aber sie war ein bisschen verhärtet. Das wäre für sich alleine noch keine Indikation gewesen. Aber in Verbindung mit dem PSA Wert, hat das meinen Urologen dazu gebracht, zu sagen: „Dann machen wir nicht, wie ich sonst vorschlagen würde, nach drei bis vier Monaten eine weitere Bestimmung, sondern in kurzen Zeitfenstern eine weitere Bestimmung, denn da könnte was sein.“

Link zum ungekürzten Interview von Alexander Bauz