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Alles ändert sich!

Blue Ribbon Deutschland macht aufmerksam. Unsere Arbeit richtet sich in erster Linie an gesunde Menschen und weitergehend an das Umfeld von Betroffenen.

  • Der gesunde Mensch kann mit Früherkennungsuntersuchungen einiges tun, denn im Falle der Erkrankung können durch Früherkennung entweder die Heilungschancen steigen oder die anstehenden Schritte besser eingeschätzt und beurteilt werden.
  • Das Umfeld soll verstehen, was sich verändern kann und worauf man versuchen sollte, sich einzustellen.

Wir betrachten an dieser Stelle nicht die medizinische Seite, sondern Bereiche, die häufig vollkommen übersehen oder unterschätzt werden - die Änderung des bisher reibungslos funktionierenden Tagesablaufs auf der Ebene Familie und Freunde.

Die nachfolgende Zusammenfassung ist aus Gesprächen und persönlichen Treffen mit Betroffenen und Angehörigen entstanden. Diese Menschen möchten mit ihren Hinweisen und Erzählungen dazu beitragen, anderen durch eigene Erlebnisse eine erweiterte Entscheidungsgrundlage zu bieten.

Krebsinformationsdienst (KID)


Der Krebsinformationsdienst (KID) bietet Ihnen zu vielen der oben beschriebenen Punkte die Möglichkeit, nach ambulant psychotherapeutisch arbeitenden Psychoonkologen in Ihrer Nähe zu suchen. Mehr Informationen unter www.krebsinformationsdienst.de

Viele der oben beschriebenen Situationen hören nicht einfach mit der Gesundung auf. Gerade wenn die Genesung von der Krebserkrankung abgeschlossen ist, gibt es bei Prostatakrebs häufig lebenslange Beeinträchtigungen, die eine Rückkehr in einen "normalen" Alltag nicht leicht gestalten. Hier gilt es, offen aufeinander zuzugehen und gemeinsam zu einer Lebenshaltung zu finden, in der eine aktive Gestaltung des Lebens, welches bei manchen Patienten durchaus anders als vor der Erkrankung sein mag, zur Grundlage wird.

Verstehen Sie, dass dies nicht bedeutet, dass das Leben vor der Krankheit als grundsätzlich besser beurteilt wird. Es geht vielmehr darum, dass ein Mensch die Chance bekommen hat, nochmals neu hinzusehen. Mögliche Einschränkungen verhindern nicht ein hoffnungs- und freudvolles Leben. Nutzen Sie gemeinsam diese Chance, sehen Sie gemeinsam neu hin und ergreifen Sie gemeinsam dieses Leben auf eine andere Weise. Nichts in unserem Leben passiert ohne Gegenüber.

In unserer Linkliste finden Sie viele Beratungsstellen und Ansprechpartner.
Erste wichtige Hilfe und Unterstützung bietet Ihnen immer die Deutsche Krebshilfe e.V.


Die Erkrankung an Prostatakrebs setzt einen Prozess des Werdens in Gang. Wenn es allen Beteiligten, Betroffenen sowie dem persönlichen Umfeld gelingt, dies zu erkennen, besteht die große Chance, auf allen Seiten viel zu lernen, zu erfahren und mitzunehmen. Für das eigene, individuelle Leben.

Die Themen:

Wird Prostatakrebs festgestellt, bedeutet dies für den betroffenen Mann, dass er sich meist sehr schnell in einem gut funktionierenden Behandlungsablauf wiederfindet. Hierzu gehören:

  • die Untersuchungen im Vorfeld
  • die Besprechung von Ergebnissen
  • die Entscheidungsphase
  • die Behandlung, evtl. mit Krankenhausaufenthalten
  • die Rehaphase mit stationären Aufenthalten

Der Betroffene fällt auf nahezu allen Gebieten des bisher gewohnten Lebens, privat wie beruflich, zeitweise bis umfassend aus. Diese Phase ist nicht auf einen eng eingegrenzten Zeitraum festzulegen, sondern betrifft den kompletten Zeitraum, von der Diagnose bis zur möglichen Genesung.

Die Heilungschancen liegen bei über 91% bezogen auf zehn Jahre.

Gerade bei Prostatakrebs stellen sich dem Mann viele Fragen, denn die Behandlung mit erfolgreicher Genesung zieht häufig tiefe Einschnitte im weiteren Leben nach sich. Hier gilt es schon bei Prostatakrebsverdacht intensive Gespäche mit dem Arzt, der Familie und Beratungsstellen zu führen. Entscheidend ist die Frage: Ist eine direkte Behandlung überhaupt notwendig und wenn ja, in welchem Umfang. Lesen Sie hierzu bitte auch in unserer Rubrik Fakten.

Besonders die eigene Familie, aber auch Eltern und Großeltern sowie Freunde - das Umfeld erlebt eine teils erhebliche Veränderung des betroffenen Manns. In unserem Leben begegnen uns viele Menschen - einige begleiten uns länger:

  • Familie
  • Eltern
  • Großeltern
  • Freunde
  • Arbeitskollegen
  • Bekannte

Im Kollegenkreis am Arbeitsplatz bleiben Veränderungen natürlich auch nicht unbemerkt.
Männer neigen jedoch deutlich stärker als Frauen dazu, aufkommende Probleme nicht zu kommunizieren.
Das bedeutet für das Umfeld häufig, dass die Veränderung wahrgenommen wird, diese aber vom Betroffenen auf völlig andere Punkte geschoben wird. Geht dies nicht mehr, weil beispielsweise die Probleme nicht abnehmen, erfolgt häufig ein stiller Rückzug aus dem Gesellschaftsleben.

Meist entsteht im Betroffenenumfeld das Bedürfnis zu helfen. Doch Hilfe, die ein gesunder Mensch aus seiner gesunden Sicht anbieten kann, ist nicht immer das, was der betroffene Mann auch benötigt. Wir versuchen mit nachfolgenden Hinweisen zu beleuchten, was im Umfeld passiert. Vor allen Dingen ist eines ganz besonders wichtig:
Verständnis und immer wieder Verständnis.

Der betroffene Mann möchte leben und wieder gesund werden. Auf diesem Weg gibt es viele Hürden, die teils zu enormen Stimmungsschwankungen führen können. Das Umfeld von Betroffenen muss verstehen, dass die Lebensfreude und Lebenslust des einen Tages schon am nächsten einer Niedergeschlagenheit und tiefen Bedrückung weichen kann. Der betroffene Mann hat keinerlei Einfluss auf diese Schwankungen und leidet häufig selbst sehr darunter - vor allem, wenn er merkt, dass er seinem Umfeld unrecht tut, es aber nicht ändern kann.
Da wird sehr schnell einmal dem Partner oder dem besten Freund über den Mund gefahren oder eine an sich ernste Situation ins Lächerliche gezogen. Und das vielleicht ungewöhnlich direkt und durchaus auch mehrfach.

Machen Sie sich bewusst, was in der betroffenen Person vor sich geht.
Ein Mensch kämpft um sein Leben. Sätze wie: „Gemeinsam schaffen wir das“ können auch ganz anders auf den betroffenen Mann wirken, als es von seinem Gegenüber, der dies sagt, gemeint ist.
Natürlich meint derjenige, der dies sagt, es ehrlich und voller Überzeugung.

Doch die betroffene Person weiß: Krank bin ich allein, niemand schafft meine Krankheit für mich. Das soll nicht heißen, dass das Umfeld von Betroffenen nicht etwa Stütze, Hilfe und Ratgeber sein darf bzw. soll. Es müssen jedoch gewohnte Formulierungen gut überdacht und überprüft werden: Wird das, was ich sagen möchte, in dieser Lebenssituation auch so verstanden?
Aus Sicht eines betroffenen Mannes werden Floskeln schnell zu Keulenhieben.

Denken Sie jedoch auch an sich selbst. Auch Sie müssen Kraft tanken für diese neue Lebenssituation, damit Sie eine Stütze bleiben können. Vielen Angehörigen hilft hierbei Bewegung und Sport in der Natur. Schaffen Sie sich in jedem Fall einen Ausgleich. Scheuen Sie sich nicht, mit einer fachlich kompetenten Person über Ihre eigene Situation zu sprechen. Denn wenn der betroffene Mann selbst nicht in der Lage ist, sich seiner Krankheit und der damit verbundenen Einschränkungen zu stellen, wird er es gegenüber nahestehenden Menschen erst recht nicht können.
Das hat überhaupt nichts mit fehlendem Vertrauen zu tun - es ist ein Zeichen dafür, dass Werte und Halt des bisher gewohnten Lebens wegbrechen und sich ein Mensch in sehr großer Unsicherheit befindet.

Wir können hier nicht alle Situationen aufführen, denn der Umgang mit der Krankheit ist sehr individuell. Wir versuchen aber mit einigen Beispielen für

  • Kinder / Jugendliche
  • Lebenspartner
  • Freunde
  • Arbeitskollegen
  • Bekannten

die Überlegungen auf mögliche, individuelle Probleme zu lenken. Auf dieser Grundlage können Sie z. B. mit Beratungsstellen (sehen Sie dazu bitte unsere Linkliste) gezielte Gespräche führen, um Ihre Situation zu beschreiben und die richtige Unterstützung zu erhalten - aber auch mit Freunden, Kindern und den Eltern oder ggf. Großeltern. Sprechen Sie im Unternehmen auch mit Ihren Vorgesetzten, wie Sie den Ausfall im Kollegenkreis am besten gestalten können.

Grundsätzlich gibt es nur sehr wenige Prostatakrebs Erkrankungen vor dem 45. Lebensjahr. Der Schwerpunkt liegt aktuell bei 70 Jahren. Dennoch ist es für jüngere Familien wichtig zu wissen, was in Kindern und Jugendlichen vorgehen kann. Ist ein sehr starker Bezug zwischen Großeltern und Enkeln vorhanden, können viele der nachfolgenden Punkte entsprechend übertragen werden.

Sind noch kleine Kinder im Haushalt, stehen direkt ganz pragmatische, organisatorische Fragen im Raum:

  • welche Aufgabe innerhalb der Familie hatte bisher der Mann? War er zum Beispiel viel am Wochenende mit den Kindern unterwegs? Individuell oder bei Fahrten zu Freizeitveranstaltungen?
  • konnte der Mann viel von zu Hause aus arbeiten oder hat sich die Familie Erziehung und Beruf gar geteilt? Wer kann die Versorgung mit Mahlzeiten übernehmen wenn dies regelmäßig durch den Mann erfolgte? Das fängt schon beim Frühstück bzw. Schulbrot an und geht über das Mittagessen bis hin zum Abendessen. Geben Sie Kindern wo immer möglich Aufgaben, ohne damit zu transportieren, dass sie damit alleingestellt sind.
  • werden Kurse (Sportverein, Musik, usw.) außerhalb der Schulzeiten besucht? Wie ist das bisher organisiert? Versuchen Sie, wo immer möglich, diese Aktivitäten aufrechtzuerhalten.
  • wer hilft bei den Hausaufgaben?
  • wer organisiert den Haushalt? Einkäufe von Lebensmitteln, Getränken und ggf. Kleidung?
  • wann wird was benötigt, ggf. auch für den Partner?

Das junge Kind sollte immer aufmerksam betrachtet werden. Vermeiden Sie (bspw. als Mutter) durch Ihre eigenen Probleme mit der neuen Lebenssituation die der Kinder zu übersehen. Ändert sich das Verhalten, Aktivitäten, Freude? Versuchen Sie bei Veränderungen nicht unbedingt alleine damit klarzukommen. Der Zugang zu Kindern ist nicht leicht. Holen Sie sich fachkompetente Unterstützung von außen.

Jugendliche machen ersteinmal Vieles mit sich selbst aus. Weisen Sie Jugendliche auf unsere Linkliste hin. Geben Sie ihnen den Rat im Internet nach: "Kindern und Jugendlichen von Eltern mit Krebs" zu suchen.

Beachten Sie, dass Kinder und Jugendliche, die nicht über die Situation reden, oftmals sehr dramatische Kämpfe in sich austragen. Suchen Sie hierfür immer Hilfe von Beratungsstellen, die sich darauf spezialisiert haben.

Kinder und Jugendliche können jedoch auch enorme Kräfte entwickeln und sich mit der Krankheit und der Hilfe für den Vater intensiv auseinandersetzen. Versuchen Sie bitte, dies nicht zu unterbinden. Lehnen Sie Gespräche nicht einfach deshalb ab, weil Sie selbst vielleicht kaum darüber sprechen können. Scheuen Sie sich nicht, Ihre Gefühle zu äußern und zu zeigen - Sie setzen hier vielleicht ein Vertrauen in einen jungen Menschen, das ihn auch für sein weiteres Leben prägen kann. Vielleicht ist es auch einfach spannend, gemeinsam mit den Kindern eine Beratungsstelle aufzusuchen - das gilt durchaus auch für schon erwachsene Kinder.

Wenn Kinder und Jugendliche Aufgaben übernehmen möchten, mit denen sie bisher noch nichts zu tun hatten, dann glauben Sie daran und geben Sie den Kindern das Vertrauen, die Aufgabe auch zu bewältigen. Versuchen Sie nicht, Kinder von selbstgewählten Zielen abzubringen.

⇒ Erwachsene Kinder sprechen Sie bitte auf Augenhöhe an. Je nachdem, welche Rolle Ihr Beruf im Familienverbund spielt (beispielsweise besitzen Sie selbst ein Unternehmen oder arbeiten Sie in Selbständigkeit), ist es wichtig die Kinder in laufende Geschäftsvorgänge zu involvieren. Oft organisiert der Mann innerhalb der Familie die administrative Führung von Papieren, Akten und Finanzen. Hier ist es besonders wichtig, den Partner und/oder die Kinder in diese Struktur hineinzunehmen. Eine Krebsbehandlung kann durchaus lange dauern - verunsichern Sie Ihre Familie nicht zusätzlich durch fehlendes Wissen zur Familienorganisation.

⇒ Wenn Sie als Kind selbst schon erwachsen sind und Ihr Vater vielleicht viel mit den Enkeln unternommen hat oder einfach viel für sie da war, müssen Sie unbedingt mit Ihren Kindern über die Erkrankung des Opas reden. Gerade junge Enkelkinder können eine plötzlich eintretende Abwendung des Opas nicht verstehen. Gleichzeitig sind sie jedoch in der Lage, eine große Stütze zu sein, wenn sie von Anfang an in den Krankheitsprozess einbezogen werden. Sie bringen oft die nötige Freiheit und Ungezwungenheit für kurze Zeit zurück - und die kann durchaus heilsam wirken.

Wenn der Lebenspartner Mit- oder gar Hauptverdiener ist und somit stark ins Berufsleben eingebunden ist, stellen sich folgende erste Fragen:

  • Kann eine kurzzeitige Auszeit genommen werden? Häufig möchten die Partner den Mann zu Arztbesuchen oder Untersuchungen begleiten. Dies kann sich während einer Therapie durchaus über einen Zeitraum von mehreren Wochen und Monaten hinziehen.
  • Ist Ihr Arbeitsplatz ortsansässig oder ggf. mit vielen Reisen verbunden? Ist Ihr Arbeitgeber bereit, Sie zu unterstützen? Wer könnte Aufgaben bei Ihrer Abwesenheit übernehmen? Oder besteht eine gemeinsame Unternehmung, bspw. Landwirtschaft, in der der Partner eine wichtige berufliche Aufgabe hat? Kann hier aus dem Umfeld (Familie, Freunde) Hilfe organisiert werden? 
  • Alltägliche Aufgaben müssen organisiert werden. Ganz banale Dinge wie die Eigenversorgung, aber auch die Beschaffung von Hilfsmitteln für den betroffenen Partner, die Klärung von Versicherungsfragen und ggf. Beantragung von Unterstützung inkl. Behördengängen, Postbearbeitung, etc. Hierzu muss der Partner natürlich wissen, wo sich alle Unterlagen und Versicherungen befinden. Im besten Fall mit direkten Ansprechpartnern.
  • Hat der betroffene Mann bisher entscheidend zum gemeinsamen Lebensunterhalt beigetragen? Das ist bei langfristigen Investitionen wie Wohnungs- oder Hauskauf ein wichtiger Aspekt. Was passiert, wenn der Mann über den Zeitraum der Absicherung der Krankenkasse hinaus (in der Regel sechs Wochen) ausfällt? Wie geht es dann weiter? Wo gibt es Unterstützungsleistungen und wie müssen diese beantragt werden?
  • Gibt es einen Pflegefall in der Familie, der bisher durch die Frau versorgt und betreut worden ist? Wie kann diese Aufgabe aufgefangen werden, wenn die Frau nun für ihren Mann da sein will / muss?
  • Gibt es Menschen, die in jedem Fall über die Lebenssituation unterrichtet werden müssen?
  • Sind beide Partner in die Familienorganisation einbezogen? Herrscht ein gemeinsames Wissen, wo welche Unterlagen zu finden sind. Gibt es laufende Überweisungen, die nicht per Dauerauftrag getätigt wurden und trotzdem zwingend weiterlaufen müssen?
  • Gibt es Verschlusssachen, die bisher nur der Mann betreut hat? Wie ist geregelt, dass der Partner diese falls notwendig fortführen kann?

Die Hilfemöglichkeiten sind meist sehr begrenzt. Nicht selten ziehen sich Familien, in denen eine Prostatakrebs Erkrankung auftritt, aus ihrem Umfeld zurück. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken. Versuchen Sie, mit dem Lebenspartner und den Kindern des Betroffenen in Kontakt zu bleiben, ohne aufdringlich zu sein. Erkennen Sie Situationen, die auf der Strecke bleiben und prüfen Sie, ob diese wichtig genug sind, dass Sie hier unkompliziert einspringen.

  • Gibt es bspw. ein Ehrenamt des Betroffenen, welches Sie ggf. weiterführen können?
  • Gibt es Tiere zu versorgen (bspw. einen Hund, der regelmäßig Auslauf braucht)?
  • Gibt es einen Garten zu pflegen?

Hören Sie genau hin, wenn die betroffene Person über sich spricht, was sie erlebt, was sie beschäftigt. Auch wenn es noch so banal ist, geben Sie am besten keine vorschnellen Tipps. Informieren Sie sich, was andere Betroffene in dieser Situation gemacht haben. Vielleicht finden Sie Anregungen oder Ideen, die Ihrem Freund eine Lösung für seine Sorgen und Zweifel sein können. Geben Sie ihm die Gelegenheit, sich hierzu selbst ein Bild zu machen, indem Sie ihm einen neutralen Hinweis weitergeben, sodass er sich in Ruhe damit beschäftigen und die Informationen wirken lassen kann. Wenn es Gesprächsbedarf gibt, dann sollten Sie jedoch zur Verfügung stehen.

Gerade dem Freundeskreis kommt eine große Bedeutung zu. Dieser ist meistens kaum in die Prozesse eingebunden und sieht nur ab und zu in die dann jeweils herrschende aktuelle Situation. Sie müssen verstehen, dass die zwischenmenschliche Beziehung sehr wichtig ist, auch wenn Sie dies kaum oder gar nicht erfahren. Oft müssen Sie es einfach aushalten: Vielleicht werden Sie weggestoßen, der Betroffene meldet sich einfach nicht, obwohl Sie doch so oft gesagt haben, dass Sie für ihn da sind. Meistens hat dies nichts mit Ablehnung zu tun. Es wird einfach alles zuviel und gerade von den Freunden erwartet man Verständnis - man kennt sich doch so lange und weiß, wie der andere tickt.
In diesem Zustand sind schnell ein paar Monate ins Land gegangen.

Regelmäßige Treffen werden zum Problem. Sie werden vielleicht feststellen, dass die betroffene Person zusagt und dann doch nicht mitkommt. Hier fehlt nur selten die Lust, sondern schlicht die Kraft. Stehen Sie es gemeinsam durch. Es wäre verkehrt, zu jedem Termin erneut einzuladen oder ständig darauf hinzuweisen, ohne dies vorher einmal grundlegend besprochen zu haben - denn das setzt Ihren Freund ggf. unter Druck oder baut eine zu große Erwartungshaltung auf - obwohl es doch gut gemeint ist.

Hier haben wir häufig erfahren, dass eine Klärung im Vorfeld, schon ganz zu Beginn, hilfreich sein kann. So könnte gemeinsam besprochen werden: „Du, ich werde dich wie bisher immer zu allen Terminen und Festen ansprechen und fragen, ob du dabei sein willst - und nur dann machen wir das gemeinsam. Wenn du fünf oder zehn Mal absagst, macht das gar nichts, dann klappt es eben beim elften Mal. Und hast du dich doch mal entschlossen und stellst dann fest, dass es ein Fehler war, dann gehen wir eben wieder - auch gemeinsam.“

Warum ist das so wichtig?
Die Phasen der Ablehnung werden teils sehr intensiv und durchaus länger sein. Fühlt sich die betroffene Person dann irgendwann besser, passiert es nicht selten, dass sie sich nicht mehr traut, bei Ihnen anzurufen / sich zu melden. „Da braucht / will mich doch jetzt eh keiner mehr...“.
Als guter Freund sind Sie darauf vorbereitet und stehen diese Zeit gemeinsam durch. 

Ihr Freund wird durch die Krebsbehandlung neue Menschen kennenlernen. Das können durchaus Menschen sein, die Sie bisher im eigenen Umfeld noch nie wahrgenommen haben. Halten Sie sich offen, wenn Sie eine Einladung bekommen, gehen Sie voll Freude mit. Nutzen Sie die große Chance, auf „anderes“ Leben zu blicken und festzustellen, wie facettenreich und spannend das Leben aus einem neuen Blickwickel werden kann. Bei betroffenen Männer verlagern sich manchmal die gewohnten Werteeinstellungen. Berufliche Anerkennung, Aussehen, Finanzkraft, Statussymbole verlieren an Bedeutung und machen den Blick auf den eigentlichen Menschen frei. Lassen Sie sich darauf ein und erlauben auch Sie sich vorurteilsfrei diesen neuen Blick. Bei aller Dramatik der Erkrankung bietet sich hierin eine Chance, auf das eigene Leben zu blicken, die Sie sonst nur selten erhalten werden.

Machen Sie nicht den Fehler, alles besser zu wissen. "Das darfst du doch nicht, das solltest du doch besser sein lassen." Manchmal macht eine betroffene Person aus unserer Sicht etwas vollkommen Absurdes, tut Dinge, die sie vor der Erkrankung nie gemacht hätte. Diese Phasen kommen und gehen, greifen Sie nicht ein - das heißt auch, bestärken Sie nicht. Sie müssen verstehen, dass Ihr Gegenüber zwar krank, aber in keinem Fall von heute auf morgen dümmer geworden ist. Die Ihnen vertraute, selbstständige Persönlichkeit ist noch immer vorhanden. Stellen Sie sich ab und an die Frage: "Hat er nicht vielleicht recht? Wollte ich das nicht selbst auch schon immer mal versuchen?" Häufig greifen wir doch nur ein, weil wir auf etwas blicken, das uns selbst bewegt und wir es nicht wagen. Ein Betroffener erkennt dies mit einer Wucht, die wir "Gesunden" kaum nachvollziehen können.

Wenn Sie in der Vergangenheit gemeinsam viel und intensiv Sport in der Natur gemacht haben, dann versuchen Sie, diesen Kontakt zur Natur aufrechtzuerhalten. Intensiver Sport geht erstmal nicht - oft reichen kleinste Strecken, um einen Erschöpfungszustand zu erreichen, der sonst erst nach stundenlanger Beschäftigung eingetreten wäre. Vielleicht nutzen Sie mit der betroffenen Person die neue Situation, indem Sie mit einem Fotoapperat auf Entdeckung gehen und sich im Anschluss der gemeinsamen Bildbearbeitung widmen. Werden Sie kreativ und finden Sie gemeinsame Alternativen.

Moderate körperliche Aktivität kann schon während der Therapie und vor allem nach Abschluss der Behandlung die Prognose einer Krebserkrankung deutlich verbessern. Darüber hinaus werden therapie- und krankheitsbedingte Nebenwirkungen durch regelmäßige Bewegung positiv beeinflusst. Ihr Freund soll in jedem Fall Rücksprache mit seinem Arzt halten, um zu erfahren, welche Form der Bewegung für ihn infrage kommt. Hier erhält er Informationen zu verschiedenen Sportarten und Entspannungstechniken sowie Erfahrungsberichte - und natürlich können auch Sie sich im Internet zu diesem Punkt umsehen und Ideen einbringen. Einfache und effektive Übungen helfen dabei, den Körper aktiv und schonend zu stärken. Vor allem Schwimmen, Rudern und Laufen hat sich als sehr positiv herausgestellt.

Bitte beachten Sie: Die betroffene Person möchte so viel wie möglich selbst machen, auch um vielleicht selbst feststellen zu können, dass es nicht geht. Es hilft gar nichts, wenn Sie als Außenstehender das schon vorher wussten. Selbst aktiv sein zu können, kann enorm helfen, gesund zu werden. Nehmen Sie der betroffenen Person nicht zu viel ab. Schauen Sie aber genau hin und seien Sie ohne Aufforderung zur Stelle, wenn es nötig wird.

Wir empfehlen Ihnen sehr, auch die Inhalte aus dem Bereich Freunde zu lesen. Es hilft Ihnen vielleicht, bei all der eventuell zusätzlich anfallenden Arbeit, den Menschen nicht zu vergessen.

Sie werden damit leben müssen, dass Ihr Kollege häufiger völlig unerwartet ausfällt und oft länger abwesend ist als geplant. Das wirft in einem Team vieles durcheinander und bedeutet nicht selten deutlich mehr Arbeit für Sie als Kollegen. Sie können als Kollege nicht viel tun. Doch allein das Gefühl zu vermitteln, dass Ihr Kollege jederzeit wieder willkommen ist, ist ein großer Wert. Wenn Sie Arbeiten untereinander aufteilen und erledigen, zeigen Sie dem Betroffenem auch, dass seine Arbeit wichtig ist und nicht einfach liegen bleiben kann.

Stellen Sie sich darauf ein, immer wieder in die Situation zu kommen, in denen Sie glauben, nun geht es bergauf - und dann ist es doch nicht so. Wir können aus unseren Erfahrungen nur betonen: Die betroffene Person möchte in der Regel arbeiten und ein Teil der Gesellschaft sein, aber das ist aufgrund der Erkrankung leider nicht immer so möglich wie erwünscht. Versuchen Sie mit Ihren anderen Kollegen und den Vorgesetzten ein Netz aufzubauen, welches tragen und die liegengebliebenen Aufgaben übernehmen kann. Wenn Ihnen dies gelingt, werden Sie nach vollständiger Genesung des erkrankten Kollegen eine wunderbare Erfahrung gemacht haben: Sie werden spüren, was es bedeutet, nicht nur über Probleme, die man gemeinsam zu lösen hat, zu sprechen, sondern sie wirklich gemeinsam durchzustehen. Sollte dieser Kollege auch noch Ihr Chef sein, wird das auf diese Weise gewonnene Vertrauen Ihnen künftig mehr eigenständiges Handeln bescheren. Denn nicht selten gewinnen gerade Vorgesetzte durch dieses ersteinmal erzwungene Vertrauen einen Blick auf die eigenen Mitarbeiter, der auf anderem Wege kaum möglich gewesen wäre.