Zum Hauptinhalt springen Skip to page footer

Im Gespräch mit Martin Rütter

Was macht Ihnen an der Arbeit als Hundetrainer besonders Spaß?
Die Kombination Mensch-Hund und die daraus resultierende Vielfalt. Es wird nie langweilig. Jeder Mensch und jeder Hund ist anders, und damit auch jedes Mensch-Hund-Team. Ich genieße diese Abwechslung und finde es unglaublich toll, mit Menschen und Hunden zu arbeiten.

Ist Ihnen in den Jahren als Hundetrainer ein Fall besonders in Erinnerung geblieben? 
Da gibt es natürlich etliche. Auf Anhieb fällt mir eine ganz absurde Geschichte ein, als der Mann drei Jahre lang auf der Couch geschlafen hat, weil der Hund ihn nicht mehr zu Frauchen ins Schlafzimmer gelassen hat (lacht). Die Schwierigkeit lag aber nicht am Hund, sondern an Frauchen – nämlich sie zu überzeugen, das zu ändern. Denn im Ernst, die Hürde besteht ja häufig darin, bei den Leuten überhaupt ein Bewusstsein zu schaffen, dass sie etwas falsch machen, dass sie mit ihrem Verhalten dem Hund nichts Gutes tun. Bedeutet: Es ist fast nie DER Problemhund, sondern der Mensch, der seine Einstellungen und Verhaltensweisen überdenken und verändern muss.

Apropos Änderung der Verhaltensweisen. Sie sind mit 53 Jahren zur Prostatakrebs-Früherkennung gegangen.

Hundetrainer Martin Rütter

Ein richtig gutes Hund-Mensch-Team

Das ist jetzt aber ein Themenwechsel. Aber es stimmt. Ich habe etwas getan, was für mich wirklich echt ungewöhnlich ist […] und mich zum allerersten Mal zu einer Vorsorgeuntersuchung begeben und ich möchte dafür sehr proaktiv werben, denn eigentlich sollte man als älterer Herr ab 50 so Sachen wie Prostata, Magen und Darm mal untersuchen lassen. Und ich habe da immer einen Bogen rum gemacht.

Können Sie erklären warum?
Gar nicht, weil ich jetzt so große Sorge hatte, dass mir jemand einen Finger in den Po steckt. Das war jetzt gar nicht so mein Thema. Sondern […] es ist ja bei mir immer so, dass ich so keinen Bock habe. Jetzt muss ich da hin und in so einer Praxis warten. Also das ist wirklich nix anderes als die ganze Organisation, drum herum, die mich nervt. Und dann gab es hier großen familiären, sozialen Druck und meine Schwester sagte: „So pass auf Junge, du hast ja gesagt, du möchtest das machen. Wir nehmen dich beim Wort.“ Und dann habe ich mich dem gebeugt. [...] Alle Ergebnisse waren wunderbar und ich gelobe wirklich, dass ich das jetzt regelmäßig einbinde und kann da vielleicht den ein oder anderen Mann anstacheln, das auch zu tun. Als ich rausgegangen bin, habe ich als erstes natürlich meine Schwester angerufen und ihr gesagt: „War ja alles sinnlos. Ich bin kerngesund.“ Aber das war natürlich nur der familiäre Spaß.

Danke, dass Sie damit so offen umgehen. Das unterstütz unsere Arbeit immens! Aber lassen Sie uns wieder zurück zum Thema Hund und Hundeerziehung kommen. 
Welche Fälle bewegen Sie besonders?

Im Prinzip hat jeder einzelne Fall seine bewegenden und emotionalen Momente. Besonders schön ist es natürlich immer dann, wenn ich helfen kann und am Ende des Trainings für Hund und Mensch einfach mehr Qualität entstanden ist. Traurig machen mich die Momente, in denen ich nichts mehr für ein Mensch-Hund-Team tun kann. Es ist aber in der Regel nicht so, dass der Hund nicht mehr lernfähig, sondern die Beziehung zwischen dem Menschen und dem Hund derart belastet ist, dass es keinen Sinn mehr macht. Statistisch gesehen sprechen wir hier von einem Hund pro Jahr.

Wie schaffen Sie es, mit solchen Fällen umzugehen?
Zum einen mit der Gewissheit, dass auch solche Erlebnisse einfach dazugehören – so bedauerlich das auch ist. Auf der anderen Seite durch die vielen Fälle, die schön zu Ende gehen. 

Was sollten Hundehalter bei der Erziehung ihres Vierbeiners unbedingt beachten?
Sie sollten unbedingt die drei Kardinalfehler vermeiden. Erstens, die extreme Vermenschlichung, denn diese schürt Erwartungen, die der Hund niemals erfüllen kann. Ein Hund kann nicht denken und handeln wie ein Mensch. Dazu kommt mangelnde Konsequenz – womit ich nicht Strenge oder Härte meine. Es ist ja oft so: Menschen stellen Regeln auf, gehen dann aber zu lax mit diesen um.

Immer sonntags darf der Hund mit am Frühstückstisch sitzen und bekommt sein Leberwurstbrötchen, an den anderen Tagen aber nicht. Das kapiert kein Hund und verunsichert ihn nur. Ein Hund benötigt klare Regeln, nur so kann er Vertrauen zu seinem Menschen aufbauen und sich auch in schwierigen Situationen auf ihn verlassen. Und ein weiteres Problem ist die mangelnde Beschäftigung. Hunde brauchen körperliche und geistige Auslastung.

Welche Fehler unterlaufen Hundehaltern bei der Erziehung ihres Hundes immer wieder?
Das sind die genannten drei Kardinalfehler, ganz klar, einfach echte Klassiker sind das. Ein weiterer Knackpunkt ist, dass der Mensch das Verhalten seines Hundes nicht richtig deutet. Es ist nämlich auch wichtig, die Sprache des Hundes zu lernen und seine Bedürfnisse zu erkennen – Stichwort: Kommunikationsmissverständnisse. Das Anspringen bei der Begrüßung wird fast immer als Freude des Hundes empfunden. In den wenigsten Fällen ist es aber freundlich gemeint, sondern viel häufiger als Korrektur am Menschen, der den Hund nicht mit nach draußen genommen hat. Oder das Schwanzwedeln, das die meisten Leute ebenfalls generell als Freude interpretieren. Dabei kann das Schwanzwedeln sehr unterschiedliche Bedeutungen haben. Wenn zum Beispiel der Körper beim Wedeln ruhig ist, und der Hund hält dabei den Kopf leicht abgesenkt und fixiert sein Gegenüber, zeigt die wedelnde Rute lediglich die Aufregung des Hundes kurz vor einem Angriff.

Hund und Herrchen in Einklang

Was möchten Sie neuen Hundehaltern unbedingt mit an die Hand geben?
Ganz grundsätzlich ist es insgesamt leider viel zu oft so, dass Hunde nach optischen Kriterien oder aus emotionalen Gründen ausgesucht werden. Deshalb immer meine dringende Bitte, vorab eine Art Checkliste zu erstellen: Welcher Hund passt überhaupt zu mir? Sind seine Charaktereigenschaften und Bedürfnisse mit meinem Leben überhaupt vereinbar? Welche Bedürfnisse habe ich, welche Bedürfnisse hat der Hund? Und ganz wichtig: für einen Hund muss man Zeit haben. Und damit meine ich nicht nur die Zeit für die Pflege wie beispielsweise Kämmen oder Krallen schneiden. Ein Hund ist kein Spielzeug, das man bei Bedarf rauskramt und dann wieder wochenlang verstauben lässt. Er ist ein Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen, über die man sich gut informieren muss. Und: Ich bin ein Verfechter davon, dass alle, die sich einen Hund wünschen, immer auch im Tierheim vorbeischauen. Deswegen habe ich auch die Tierschutz-Kampagne ADOPTIEREN STATT PRODUZIEREN ins Leben gerufen, die sogar mittlerweile ein Verein ist. Denn es ist noch immer so, dass unsere Tierheime voll sind mit super Hunden, die es verdient haben, eine neue Chance zu bekommen und die genau dafür einfach wahnsinnig dankbar wären. 

Wenn Sie mehr Interviews lesen möchten und neben weiteren Details zur Früherkennung auch noch erfahren möchten, wie zum Beispiel die ehemaligen Handball Nationalspieler Uli und Michael Roth in jungen Jahren die Schule aufgemischt haben, dann lesen Sie hier auch dieses Interview.